An den Kalenden des Januars im Jahr des Herrn 2024 verstarb unser ehemaliger Vereinspräsident, Judo-Trainer und vielseits geschätztes Vereinsmitglied Dr. Klaus Walch, Ehrenmitglied des 1. DJC.
Klaus Walch trat dem 1. DJC am 7. Januar 1957 nach vorheriger Mitgliedschaft in der damaligen Judo-Abteilung von Blau-Gelb Frankfurt als Jugendlicher (damals wurde man erst mit Vollendung des 21. Lebensjahres volljährig) bei und erlebte die Hochzeit des Vereins, der während der sechziger Jahre des 20. Jahrhunderts zeitweise das Judo-Geschehen in Deutschland dominierte, zusammen mit seinem viel zu früh verstorbenen Bruder Axel Walch mit. Gerne erinnerte er sich an das dem Verein damals gehörende Dojo in der Hochstraße, in dem er auch am Wochenende trainieren konnte, und an die damalige Trainingsgemeinschaft. Das Training im DJC war dem noch im Alter von über achtzig Jahren aktiven Judoka lange Zeit nicht genug, er nahm lange auch an Trainingseinheiten bei seinem Freund und ehemaligen DJC-Mitglied Franz Fischer in dessen damaligem Judo-Club Bushido teil, um eine größere wöchentliche Auswahl an Randori-Partnern zu haben. Mehrere Jahre lang trainierte er auch in der Kendo-Abteilung des DJC, und auch Aikido probierte er im 1. DJC aus.
Als der DJC Ende der siebziger Jahre aufgrund des Abrisses der Halle der damaligen Friedrich-Stoltze-Schule sein Hauptdojo für fast ein Jahrzehnt verlor und bis zum Neubau der Halle in der Lange Straße 36 in für Judo nicht sonderlich geeigneten, privat angemieteten Räumlichkeiten in der Gaußstraße trainieren mußte, bot er als Trainer zusammen mit Rodolfo Rodolfi freitags ein technisch ausgezeichnetes, gut besuchtes Judo-Training an, das dem traditionellen Haupttraining am Mittwoch bald ‘Konkurrenz’ machte.
Klaus Walch war auch in der Vereinsarbeit engagiert. Er gehörte dem Vorstand über Jahre in mehreren Funktionen an. Mit viel Witz und Redegewandtheit erreichte er es, mehrmals als Mann von den allein stimmberechtigten Frauen zum ("kommissarischen", worauf er humorvoll Wert legte) Frauenbeauftragten des Vereins gewählt zu werden. Legendär sind seine teils ernsten, teils intelligent-spritzigen Redebeiträge auf Mitgliederversammlungen. Als Präsident führte er den DJC zusammen mit Dr. Andrea Schlosshan als Vizepräsidentin von 1993 bis 1994 in einer damals schwierigen Zeit, als es im Hessischen Judo-Verband drunter und drüber ging, etliche Rechtsstreitigkeiten mit dem HJV vor dem Rechtsausschuß des HJV sowie vor Gericht ausgetragen wurden und er den DJC auch (erfolgreich) vor Gericht verteidigen mußte.
Der überzeugte, zutiefst katholische Christ lebte die Werte seiner Religion auch im Alltag und war ein Vorbild christlicher Nächstenliebe. Als seine Mutter der Pflege bedurfte, war er immer liebevoll für sie da.
Aus seiner Ehe mit Anneli Sarvela, die seinen Familiennamen annahm, gingen seine Zwillingssöhne Axel und Lars hervor, die er beide schon in jungen Jahren ins Judo-Training mitnahm, denen er am Frankfurter Lessing-Gymnasium eine solide humanistische Gymnasialausbildung zuteil werden ließ und die ich selbst in deren Jugend trainieren durfte. Heute haben Axel und Dr. Lars Walch dem Judo-Sport entsagt, obwohl sie beide sehr gute Judoka waren.
Nachdem Klaus sehr lange – bis in sein achtes Lebensjahrzehnt — aktiv auch am Randori-Training teilgenommen hatte, beschränkte er sich in seinen letzten Lebensjahren auf Kata, die er mit unserem Vereinsmitglied Dr. Patricia O’Callaghan trainierte.
Einige Jahren vor seinem Tod nahm ihm leider eine mißglückte Operation einen großen Teil seiner Beweglichkeit, so daß er sein geliebtes Judo nicht mehr aktiv ausüben konnte. Geistig blieb er wach und ungetrübt, ertrug sein Mißgeschick mit stoischem Gleichmut und verfolgte weiterhin aufmerksam und mit Sorge das politische und gesellschaftliche Geschehen in Deutschland sowie unser Vereinsleben.
Sein plötzlicher Tod beendete ein langes, tätiges und erfülltes Leben. Der DJC trauert um einen verdienten, sympathischen, allseits beliebten und ehrenwerten Vereinskameraden.
Wir gedenken seiner in stiller Trauer. Alle, die Dr. Klaus Walch kannten und schätzten, werden sich immer gerne seiner erinnern. Er war durch und durch ein Judoka und ließ seinen Leichnam in seinen Judogi gekleidet verbrennen.
Unser tiefempfundenes Mitgefühl gilt seiner Witwe und seinen beiden Söhnen sowie deren Familien.
Requiescat in pace sempiterna Domini in quem semper firmiter et constanter credidit cuique fideliter confisus est!
Frankfurt am Main, im Januar 2024
Prof. Dr. Axel Schönberger
(Präsident des 1. Deutschen Judo-Clubs Frankfurt am Main e. V.)