Bereits Ende der achtziger Jahre zeichnete sich ab, daß ein relativ
kleiner
Verein mit knapp 500 Mitgliedern, der nicht auf Sponsoren
zurückgreifen kann, sich aus Kostengründen entscheiden muß,
ob er den Leistungssportbereich zuungunsten der BreitensportlerInnen im
früheren Umfang aufrechterhält oder aber beträchtlich reduziert.
Die Entscheidung fiel zugunsten des Breitensports. Anfang 1990 begann eine
Phase der Umorganisation des Vereins zu einem Budosportverein mit
gleichberechtigten Abteilungen. Dies sind zur Zeit Aikido, Hapkido, Judo,
Karate, Kendo, Ninjutsu und T'ai Chi Ch'uan. Eine Ju-Jutsu-Abteilung wurde
vorübergehend in Ermangelung einer qualifizierten Trainerin eingestellt,
soll aber wieder aufgenommen werden, auch an die Einrichtung einer Abteilung
für Jiu-Jitsu wird gedacht. Gesunder und gesundheitserhaltender
Breitensport sowie die Förderung des Budosportgedankens insbesondere bei
Kindern und Jugendlichen und in der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund.
Verschiedene Frauenförderungsmaßnahmen wurden eingeleitet, das Amt
einer Frauenbeauftragten (mit weitreichenden Kompetenzen) wurde in der
Vereinssatzung verankert. Die Finanzierung des Leistungssportbereichs wurde
von den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen für
BreitensportlerInnen abgekoppelt, da nicht einzusehen ist, weshalb die
BreitensportlerInnen das Privatvergnügen der LeistungsportlerInnen
überproportional mitfinanzieren sollen. Der ehemalige französische
Nationaltrainer für Judo der Damen-Mannschaft bzw. Frauschaft
,
wie es in nicht-sexistischem Sprachgebrauch eigentlich heißen sollte,
Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny (Angers, 5. Dan Judo, 6. Dan Jiu-Jitsu,
1. Dan Kendo), konnte als hauptamtlicher Trainer unter Vertrag genommen
werden. Dies ist - ohne Zuschüsse des Landessportbunds Hessen oder des
HJV, welcher mit dem 1.DJC leider seit einigen Jahren im Zwist liegt und
sogar dessen Angebot ausgeschlagen hat, Herrn Dr. Cartigny dem HJV kostenlos
für die Betreuung des weiblichen HJV-Kaders zur Verfügung zu stellen
- bei einem monatlichen einheitlichen Mitgliedsbeitrag von 30 DM für
alle aktiven Mitglieder, die dafür das gesamte Vereinsangebot in allen
Budosportarten (wöchentlich fast vierzig verschiedene Trainingstermine
für alle Altersgruppen) nach Belieben nutzen dürfen, gerade noch
bezahlbar, dank einer Vereinsstruktur, die aufwendige Spesenausgaben für
den Vorstand nicht zuläßt. Damit konnte einer der qualifiziertesten
europäischen Judotrainer, welcher seit vielen Jahren auch vom DDK und DJB
u.a. als Sommerschultrainer eingesetzt wird, nach Hessen geholt werden. Der
polyglotte Franzose spricht neben Deutsch, Englisch und natürlich
Französisch auch fließend Japanisch und dolmetscht des öfteren
zwischen beiden Sprachen, wenn Japaner zu Besuch in Deutschland sind. Mit
anderen Vereinen des Großraums Frankfurt am Main bestehen im
Judo-Bereich Trainings- und Wettkampfgemeinschaften. Der 1.DJC bietet seinen
Mitgliedern des weiteren sportliche Reisen ins europäische Ausland
(zuletzt nach Italien, demnächst wieder nach Frankreich und Sardinien),
wobei natürlich auch die Funktionäre
ihre Reise aus
eigener Tasche bezahlen und der Vereinskasse nicht zur Last fallen.
Breitensportlich orientierte Lehrgänge in einzelnen Budosportarten
ergänzen das Vereinsangebot. Öffentliche Vorführungen -
Budo-Tage- sollen für die Budo-Sportarten in der Öffentlichkeit
werben. Einige Bücher der Trainer des 1.DJC zu verschiedenen
Budosportarten (Hapkido, Karate, Kobu-do, Ninjutsu, demnächst auch Judo)
sollen interessierten Leserinnen und Lesern und vor allem der
Sportwissenschaft auch theoretische Grundlagen vermitteln.
Gesundheitsschädlichen Leistungssport für noch nicht ausgewachsene
Kinder sowie exzessiven Leistungssport für Jugendliche und Erwachsene
lehnt der moderne 1.DJC ab. Es ist unserer Meinung nach nicht so wichtig,
daß ein Verein einen Pokal erhält, sondern daß gesunde
Sportler mit viel Freude auf ihrem Lebensweg die Budo-Idee verwirklichen und
auch im Alter noch in der Lage sind, Sport zu betreiben. Insbesondere den
Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern fühlt der 1.DJC sich
diesbezüglich verpflichtet und spricht sich immer dagegen aus,
leichtfertig deren Gesundheit und Wohlergehen für vergängliche
sportliche Erfolge aufs Spiel zu setzen. Um keine Mißverständnisse
aufkommen zu lassen: Der 1.DJC lehnt keineswegs den Leistungssport als solchen
ab, ist aber bemüht, den Leistungssport wieder mit dem Budo-Gedanken und
mit den modernen sportmedizinischen Erkenntnissen in Einklang zu bringen.
Daß die meisten Judo-Vereine in Hessen überwiegend jugendliche
Mitglieder haben, liegt auch daran, daß die älteren Judoka
entweder verbraucht
sind oder aber sich für zu alt halten, um
noch an Wettkämpfen teilzunehmen, als ob die Teilnahme am
Shiai
einziger Sinn und Zweck des Judo wäre. Der 1.DJC
richtet sich lieber an der Tradition des Kodokan in Japan, der ersten und
maßgeblichen Judo-Schule in der Welt, und an der Tradition des Deutschen
Dan-Kollegiums aus. Dem Kata-Unterricht der traditionellen Kodokan-Kata wird
großer Wert beigemessen.
Aus pädagogischen, didaktischen und judospezifischen Gründen steht der 1.DJC der neuen Judo-Prüfungsordnung des DJB ablehnend gegenüber. Judo-Prüfungen im 1.DJC finden prinzipiell nach den Richtlinien des DDK statt, auf der Matte werden nur die traditionellen Gürtelfarben getragen. Wer darüber hinaus den Aufpreis zahlen und auch eine DJB-Prüfung ablegen möchte, dem wird dies nicht verwehrt; denjenigen Judoka, welche an offiziellen Meisterschaften des DJB oder des HJV teilnehmen möchten, wird dies sogar nahegelegt.
Zweitgrößte Abteilung des Vereins ist die Abteilung Ninjutsu, welche mehr als 100 Mitglieder, darunter ca. 20 Dan-TrägerInnen, zählt. Die Ninjutsuka sind auch im weltweiten Bujinkan Dojo organisiert, das von Soke Dr. Masaaki Hatsumi (Japan) geleitet wird. Die Aikido-Abteilung arbeitet eng mit der Freien Deutschen Aikido-Vereinigung zusammen und lehnt sich an die französischen Aikidoka um Tamura Sensei an. Für Hapkido ist der Präsident des 1. Hessischen Hapkido-Clubs, welcher im 1.DJC auch Abteilungsleiter und Trainer für Hapkido ist, zuständig. T'ai Chi Ch'uan (Lee-Stil) wird von Kai Eric Gartenbach, einem Schüler des bekannten Frankfurter T'ai Chi-Lehrers Rolf Weber, unterrichtet. In Karate und Kendo trainieren zur Zeit zwar relativ kleine Gruppen, das Angebot wird aber wieder ausgebaut. Da die Stadt Frankfurt am Main seit 1994 Hallenmieten für die Nutzung städtischer Turnhallen verlangt - wie auch andere Frankfurter Vereine hat der 1.DJC kein eigenes Dojo, seit die Stadt in den 60er Jahren das Vereinsdojo neben dem Stadtbad Mitte im Zuge von Bauarbeiten abreißen ließ -, geben viele Vereine zur Zeit Hallentermine an die Stadt zurück, so daß der 1.DJC zusätzliche Termine beantragen und wachsen kann, was noch vor dem Januar 1994 nicht möglich war. Dafür mußte er aber auch im Jahr 1994 22500 DM an Hallenmieten zahlen, 1995 werden es voraussichtlich sogar 30000 DM sein.
Der 19 Personen umfassende Vereinsvorstand arbeitet auf strikt ehrenamtlicher Basis. Alle wichtigen Entscheidungen werden im Vorstand abgesprochen und zumeist einstimmig oder mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Für die Entscheidungsfindung ist es nicht wichtig, wer welches Amt bekleidet, da jedes Vorstandsmitglied gleiches Gewicht und gleichen Einfluß hat, wobei faktisch lediglich Frank Thiele (zur Zeit Vizepräsident des Vereins) aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner großen Autorität und Erfahrung eine gewisse Richtlinienkompetenz zukommt.
Die 57. Mitgliederversammlung des 1.DJC beschloß am 29.März 1995, daß in Zukunft nur noch Leistungsportlerinnen und Leistungssportler der Abteilung Judo dem Hessischen Judoverband bei der jährlichen Bestandserhebung gemeldet werden sollen. Da der Hessische Judoverband seine Leistungen für die anderen Budosportarten faktisch eingestellt hat und auch im Judobereich praktisch nur den LeistungssportlerInnen ein Programm anbietet, während für die BreitensportlerInnen kaum etwas getan wird, wird der Verein die entsprechenden Kosten für die Jahressichtmarken des DJB (mehr als 5000 DM pro Jahr) sparen. Dafür ist der 1.DJC zum 1. März 1995 der Landesgruppe Hessen des DDK e.V. beigetreten, welche voraussichtlich noch 1995, spätestensaber 1996 Mitglied im lsb h werden wird. Die Sportarten Aikido, Hapkido, Karate, Kendo, Ninjutsu und T'ai Chi Ch'uan werden ab dem 1. Januar 1996 bei der Bestandserhebung ausschließlich über die Landesgruppe Hessen gemeldet werden. Die Judoka des Vereins werden einzeln bzw. bei Eintritt befragt, ob sie eine Meldung im HJV/DJB wünschen. Mit seinen Judo-LeistungsportlerInnen wird sich der 1.DJC auch weiterhin im HJV engagieren und zu einer weiteren Demokratisierung dieses Verbandes, der seit seiner Gründung bis zum Jahr 1989 ausschließlich von Präsidentendes 1.DJC geführt wurde, beizutragen versuchen. Der 1.DJC zählt zur Zeit noch zu den vier größten Mitgliedsvereinendes Hessischen Judoverbandes und ist derzeit unbestrittener Führer der verbandsinternen Opposition, welche eine Umgestaltung des HJV wünscht.
Auskunft erteilen die verschiedenen Abteilungsleiter
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