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Letzte Änderung: 10.5.2004
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Der Erste Deutsche Judo-Club Frankfurt am Main:
Tradition verpflichtet

von Dr. Andrea Schlosshan

Folgender Beitrag wurde mit freundlicher Genehmigung des GERHARD SCHÖNBERGER VERLAGS (GSV) aus der Zeitschrift Budo-Sport in Hessen 2/95, S. 64-67 (ISSN0947-7675) entnommen.

Der Erste Deutsche Judo-Club (1.DJC), eine Wiege des europäischen Judo- und Budosports, gab dem deutschen und europäischen Judo und Jiu-Jitsu im Laufe seiner langen Vereinsgeschichte viele positive Impulse. Einer der Mitbegründer des am 10. Oktober 1922 gegründeten Vereins - erster Präsident war der Architekt Willi Lutz -, der erste Jiu-Jitsu- und Judo-Trainer Alfred Rhode, rief die Frankfurter Judo-Sommerschule ins Leben, vor dem Krieg wurde 1932 in Frankfurt am Main der Deutsche Judo-Ring und die Europäische Judo-Union (Vizepräsident der EJU wurde Friedrich Brehm vom 1.DJC, welcher den Verein u.a. durch die Kriegswirren führen sollte) gegründet, lange Jahre war mit Edgar Schäfer, von 1954-1958 Vizepräsident der nach dem Krieg wiederbegründeten EJU, der Präsident des 1.DJC auch Präsident des DJB und des HJV. Ihm stand nach dem Krieg Alfred Rhode als Vizepräsident des 1.DJC zur Seite. Die erste Deutsche Meisterschaft nach dem Krieg wurde 1952 vom 1.DJC ausgerichtet. In der Vergangenheit wurde vor allem der Judo-Leistungssport - etwas zu Lasten der anderen Budosportarten und der BreitensportlerInnen - gefördert. So hat der 1.DJC im Laufe seiner Geschichte eine Reihe von Deutschen Meistern hervorgebracht, seine Kämpferinnen und Kämpfer haben viele Titel errungen, der Verein war jahrzehntelang in der Bundesliga mit einer Mannschaft vertreten. Eine in dieser Hinsicht besonders erfolgreiche Phase waren die 60er Jahre, in denen der 1.DJC zweimal Deutscher Mannschaftsmeister und zweimal Vizemeister wurde; allein in den Jahren 1963 und 1964 stellte der Verein sechs Deutsche Meister in jedem Jahr. Zu den erfolgreichsten Judoka, die aus dem 1.DJC hervorgegangen sind, zählen der langjährige Bundestrainer des DJB, Heiner Metzler (8. Dan Judo) und der jetzige Präsident des 1. Judo-Clubs Niederdorfelden, Rüdiger Kotte (4. Dan Judo), die wie auch Anton Geesink und DJB-Bundestrainer Han Ho San u.a. beide Ehrenmitglieder des Frankfurter Traditionsvereins sind, der wohl wie kein anderer Verein in Deutschland in die deutsche und europäische Judo- und Budo-Geschichte eingegangen ist. Auch der langjährige erste Vorsitzende der Landesgruppe Hessen des DDK, Frank Thiele (7. Dan Judo), der sich wie kein anderer um das Prüfungswesen in Hessen verdient gemacht hat, stammt aus dem 1.DJC, ebenso wie viele andere, die im Laufe der Zeit über ganz Deutschland Vereine gründeten oder in Verbandsfunktionen dem Judosport dienten. Die Festschrift zum 50 jährigen Jubiläum des Vereins unterscheidet zwischen Dan-Trägern, die 1972 noch im Verein tätig waren (Alfred Rhode, Edgar Schäfer, Leo Köhler, Frank Thiele, Fred Schreiber, Renee Friese, Oskar Gerlach, Rüdiger Kotte, Jupp Lappas, Dr. Walter Michel, Otto Rachhals, Rudolf Vehling, Waltraud Beitz, Philip und Horst Breitstadt, Helmut Dunczewski, Klaus Grosche, Dr. Hänel, Ted Herold, Gisbert Heuser, Otto Jansen, Wolfgang Kluge, Gerhard Kohlmann, Karlheinz Menke, Sloboda Petkovic, v. Rauchhaupt, Klaus Raupach, Ralph Schipp, Rolf Schubert, Hans und Karl Seyfried, Michael Vaupel) und Dan-TrägerInnen, die aus dem 1.DJC hervorgegangen waren und ihren Wohnsitz damals in eine andere Stadt verlegt hatten (Heiner Metzler, R. de Smeet, Hans Wittmeier, Franz Fischer, Norbert Buhl, Wolf Dieter Paetsch, Walter Becker, Helmut Eck, Willi Kochem, O. Hentzner, Dieter Baumann, Hans Eckert, Willi Hartmann, Rainer Hofmann, Frau Karthaus, Uwe Lichtenhofer, Dieter Müller, Hans Rotter, Siegfried Ulfig, Hans Willmann).

Bereits Ende der achtziger Jahre zeichnete sich ab, daß ein relativ kleiner Verein mit knapp 500 Mitgliedern, der nicht auf Sponsoren zurückgreifen kann, sich aus Kostengründen entscheiden muß, ob er den Leistungssportbereich zuungunsten der BreitensportlerInnen im früheren Umfang aufrechterhält oder aber beträchtlich reduziert. Die Entscheidung fiel zugunsten des Breitensports. Anfang 1990 begann eine Phase der Umorganisation des Vereins zu einem Budosportverein mit gleichberechtigten Abteilungen. Dies sind zur Zeit Aikido, Hapkido, Judo, Karate, Kendo, Ninjutsu und T'ai Chi Ch'uan. Eine Ju-Jutsu-Abteilung wurde vorübergehend in Ermangelung einer qualifizierten Trainerin eingestellt, soll aber wieder aufgenommen werden, auch an die Einrichtung einer Abteilung für Jiu-Jitsu wird gedacht. Gesunder und gesundheitserhaltender Breitensport sowie die Förderung des Budosportgedankens insbesondere bei Kindern und Jugendlichen und in der Öffentlichkeit stehen im Vordergrund. Verschiedene Frauenförderungsmaßnahmen wurden eingeleitet, das Amt einer Frauenbeauftragten (mit weitreichenden Kompetenzen) wurde in der Vereinssatzung verankert. Die Finanzierung des Leistungssportbereichs wurde von den Einnahmen aus den Mitgliedsbeiträgen für BreitensportlerInnen abgekoppelt, da nicht einzusehen ist, weshalb die BreitensportlerInnen das Privatvergnügen der LeistungsportlerInnen überproportional mitfinanzieren sollen. Der ehemalige französische Nationaltrainer für Judo der Damen-Mannschaft bzw. Frauschaft, wie es in nicht-sexistischem Sprachgebrauch eigentlich heißen sollte, Prof. Dr. Dr. Alain Cartigny (Angers, 5. Dan Judo, 6. Dan Jiu-Jitsu, 1. Dan Kendo), konnte als hauptamtlicher Trainer unter Vertrag genommen werden. Dies ist - ohne Zuschüsse des Landessportbunds Hessen oder des HJV, welcher mit dem 1.DJC leider seit einigen Jahren im Zwist liegt und sogar dessen Angebot ausgeschlagen hat, Herrn Dr. Cartigny dem HJV kostenlos für die Betreuung des weiblichen HJV-Kaders zur Verfügung zu stellen - bei einem monatlichen einheitlichen Mitgliedsbeitrag von 30 DM für alle aktiven Mitglieder, die dafür das gesamte Vereinsangebot in allen Budosportarten (wöchentlich fast vierzig verschiedene Trainingstermine für alle Altersgruppen) nach Belieben nutzen dürfen, gerade noch bezahlbar, dank einer Vereinsstruktur, die aufwendige Spesenausgaben für den Vorstand nicht zuläßt. Damit konnte einer der qualifiziertesten europäischen Judotrainer, welcher seit vielen Jahren auch vom DDK und DJB u.a. als Sommerschultrainer eingesetzt wird, nach Hessen geholt werden. Der polyglotte Franzose spricht neben Deutsch, Englisch und natürlich Französisch auch fließend Japanisch und dolmetscht des öfteren zwischen beiden Sprachen, wenn Japaner zu Besuch in Deutschland sind. Mit anderen Vereinen des Großraums Frankfurt am Main bestehen im Judo-Bereich Trainings- und Wettkampfgemeinschaften. Der 1.DJC bietet seinen Mitgliedern des weiteren sportliche Reisen ins europäische Ausland (zuletzt nach Italien, demnächst wieder nach Frankreich und Sardinien), wobei natürlich auch die Funktionäre ihre Reise aus eigener Tasche bezahlen und der Vereinskasse nicht zur Last fallen. Breitensportlich orientierte Lehrgänge in einzelnen Budosportarten ergänzen das Vereinsangebot. Öffentliche Vorführungen - Budo-Tage- sollen für die Budo-Sportarten in der Öffentlichkeit werben. Einige Bücher der Trainer des 1.DJC zu verschiedenen Budosportarten (Hapkido, Karate, Kobu-do, Ninjutsu, demnächst auch Judo) sollen interessierten Leserinnen und Lesern und vor allem der Sportwissenschaft auch theoretische Grundlagen vermitteln.

Gesundheitsschädlichen Leistungssport für noch nicht ausgewachsene Kinder sowie exzessiven Leistungssport für Jugendliche und Erwachsene lehnt der moderne 1.DJC ab. Es ist unserer Meinung nach nicht so wichtig, daß ein Verein einen Pokal erhält, sondern daß gesunde Sportler mit viel Freude auf ihrem Lebensweg die Budo-Idee verwirklichen und auch im Alter noch in der Lage sind, Sport zu betreiben. Insbesondere den Kindern und Jugendlichen sowie deren Eltern fühlt der 1.DJC sich diesbezüglich verpflichtet und spricht sich immer dagegen aus, leichtfertig deren Gesundheit und Wohlergehen für vergängliche sportliche Erfolge aufs Spiel zu setzen. Um keine Mißverständnisse aufkommen zu lassen: Der 1.DJC lehnt keineswegs den Leistungssport als solchen ab, ist aber bemüht, den Leistungssport wieder mit dem Budo-Gedanken und mit den modernen sportmedizinischen Erkenntnissen in Einklang zu bringen. Daß die meisten Judo-Vereine in Hessen überwiegend jugendliche Mitglieder haben, liegt auch daran, daß die älteren Judoka entweder verbraucht sind oder aber sich für zu alt halten, um noch an Wettkämpfen teilzunehmen, als ob die Teilnahme am Shiai einziger Sinn und Zweck des Judo wäre. Der 1.DJC richtet sich lieber an der Tradition des Kodokan in Japan, der ersten und maßgeblichen Judo-Schule in der Welt, und an der Tradition des Deutschen Dan-Kollegiums aus. Dem Kata-Unterricht der traditionellen Kodokan-Kata wird großer Wert beigemessen.

Aus pädagogischen, didaktischen und judospezifischen Gründen steht der 1.DJC der neuen Judo-Prüfungsordnung des DJB ablehnend gegenüber. Judo-Prüfungen im 1.DJC finden prinzipiell nach den Richtlinien des DDK statt, auf der Matte werden nur die traditionellen Gürtelfarben getragen. Wer darüber hinaus den Aufpreis zahlen und auch eine DJB-Prüfung ablegen möchte, dem wird dies nicht verwehrt; denjenigen Judoka, welche an offiziellen Meisterschaften des DJB oder des HJV teilnehmen möchten, wird dies sogar nahegelegt.

Zweitgrößte Abteilung des Vereins ist die Abteilung Ninjutsu, welche mehr als 100 Mitglieder, darunter ca. 20 Dan-TrägerInnen, zählt. Die Ninjutsuka sind auch im weltweiten Bujinkan Dojo organisiert, das von Soke Dr. Masaaki Hatsumi (Japan) geleitet wird. Die Aikido-Abteilung arbeitet eng mit der Freien Deutschen Aikido-Vereinigung zusammen und lehnt sich an die französischen Aikidoka um Tamura Sensei an. Für Hapkido ist der Präsident des 1. Hessischen Hapkido-Clubs, welcher im 1.DJC auch Abteilungsleiter und Trainer für Hapkido ist, zuständig. T'ai Chi Ch'uan (Lee-Stil) wird von Kai Eric Gartenbach, einem Schüler des bekannten Frankfurter T'ai Chi-Lehrers Rolf Weber, unterrichtet. In Karate und Kendo trainieren zur Zeit zwar relativ kleine Gruppen, das Angebot wird aber wieder ausgebaut. Da die Stadt Frankfurt am Main seit 1994 Hallenmieten für die Nutzung städtischer Turnhallen verlangt - wie auch andere Frankfurter Vereine hat der 1.DJC kein eigenes Dojo, seit die Stadt in den 60er Jahren das Vereinsdojo neben dem Stadtbad Mitte im Zuge von Bauarbeiten abreißen ließ -, geben viele Vereine zur Zeit Hallentermine an die Stadt zurück, so daß der 1.DJC zusätzliche Termine beantragen und wachsen kann, was noch vor dem Januar 1994 nicht möglich war. Dafür mußte er aber auch im Jahr 1994 22500 DM an Hallenmieten zahlen, 1995 werden es voraussichtlich sogar 30000 DM sein.

Der 19 Personen umfassende Vereinsvorstand arbeitet auf strikt ehrenamtlicher Basis. Alle wichtigen Entscheidungen werden im Vorstand abgesprochen und zumeist einstimmig oder mit überwältigender Mehrheit beschlossen. Für die Entscheidungsfindung ist es nicht wichtig, wer welches Amt bekleidet, da jedes Vorstandsmitglied gleiches Gewicht und gleichen Einfluß hat, wobei faktisch lediglich Frank Thiele (zur Zeit Vizepräsident des Vereins) aufgrund seiner Persönlichkeit und seiner großen Autorität und Erfahrung eine gewisse Richtlinienkompetenz zukommt.

Die 57. Mitgliederversammlung des 1.DJC beschloß am 29.März 1995, daß in Zukunft nur noch Leistungsportlerinnen und Leistungssportler der Abteilung Judo dem Hessischen Judoverband bei der jährlichen Bestandserhebung gemeldet werden sollen. Da der Hessische Judoverband seine Leistungen für die anderen Budosportarten faktisch eingestellt hat und auch im Judobereich praktisch nur den LeistungssportlerInnen ein Programm anbietet, während für die BreitensportlerInnen kaum etwas getan wird, wird der Verein die entsprechenden Kosten für die Jahressichtmarken des DJB (mehr als 5000 DM pro Jahr) sparen. Dafür ist der 1.DJC zum 1. März 1995 der Landesgruppe Hessen des DDK e.V. beigetreten, welche voraussichtlich noch 1995, spätestensaber 1996 Mitglied im lsb h werden wird. Die Sportarten Aikido, Hapkido, Karate, Kendo, Ninjutsu und T'ai Chi Ch'uan werden ab dem 1. Januar 1996 bei der Bestandserhebung ausschließlich über die Landesgruppe Hessen gemeldet werden. Die Judoka des Vereins werden einzeln bzw. bei Eintritt befragt, ob sie eine Meldung im HJV/DJB wünschen. Mit seinen Judo-LeistungsportlerInnen wird sich der 1.DJC auch weiterhin im HJV engagieren und zu einer weiteren Demokratisierung dieses Verbandes, der seit seiner Gründung bis zum Jahr 1989 ausschließlich von Präsidentendes 1.DJC geführt wurde, beizutragen versuchen. Der 1.DJC zählt zur Zeit noch zu den vier größten Mitgliedsvereinendes Hessischen Judoverbandes und ist derzeit unbestrittener Führer der verbandsinternen Opposition, welche eine Umgestaltung des HJV wünscht.


Von Montag bis Freitag finden an jedem Tag Trainingseinheiten in den verschiedenen Budosportarten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene statt. Ein Großteil der Trainingsstätten liegt in der Innenstadt, aber auch in anderen Stadtteilen (z.B. Ginnheim) unterhält der 1.DJC ein Dojo.

Auskunft erteilen die verschiedenen Abteilungsleiter


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